Interview mit Dr. Jens Baas (Techniker Krankenkasse) zur digitalen Gesundheitsakte

Interview mit Dr. Jens Baas (Techniker Krankenkasse) zur digitalen Gesundheitsakte

Herr Dr. Baas, die digitale Gesundheitsakte der TK ist ein Schritt in die richtige Richtung wenn es darum geht, den Versicherten mehr Kontrolle über ihre Gesundheit zu geben. In der Vorstellung von TK-Safe haben Sie einen Blick in die (nahe) Zukunft gegeben. Können Sie uns drei spannende Bereiche in der nahen und fernen Zukunft nennen, von denen die Versicherten besonders von einer digitalen Gesundheitsakte profitieren könnten?

In der nahen Zukunft: Mit dem digitalen Impfpass in der elektronischen Gesundheitsakte erhalten die Versicherten nicht nur Einblick in ihren aktuellen Impfstatus. Künftig können sie dann auch direkt mit der Online-Terminbuchung einen Termin zur Auffrischimpfung beim Arzt abmachen. Das Gleiche gilt für die Zahnvorsorge. Die Nutzer werden automatisch an die jährlichen Vorsorgetermine erinnert und haben bei Einhaltung - neben gesunden Zähnen - Anspruch auf den vollen Bonus beim Zahnersatz. Zudem bietet TK-Safe einen ganz individuellen Erinnerungsservice für die jeweils zum Alter und Geschlecht des Versicherten passenden Früherkennungsuntersuchungen.

Künftig soll es möglich sein, die elektronische Gesundheitsakte als "Frühwarnsystem" zu nutzen. Beispielsweise für Diabetes oder Bluthochdruck. Werden bestimmte Grenzwerte überschritten, erhält der Patient einen Hinweis und kann sich an seinen Arzt wenden. Auf Basis der hinterlegten Daten können die Patienten individueller versorgt werden. Je mehr Versorgungsbereiche abgedeckt sind, desto zielgerichteter lassen sich Diagnose und Therapie ausrichten. Auch wird es möglich sein, individualisierte Empfehlungen für eine gesündere Lebensführung auf Basis der bisherigen Daten zu geben. Natürlich alles auf Wunsch und freiwilliger Basis.

Laut Ihrer Stellungnahme zu TK-Safe sind Sie davon überzeugt sind, dass die nächste große Revolution in der Medizin sind nicht durch neue therapeutische oder diagnostische Maßnahmen geprägt sein wird, sondern durcheine sinnvolle Zusammenführung und Analyse von Gesundheitsdaten, um sogenannte Datensilos zu überwinden. Welche drei Technologien und Datenanalysetechnologien haben das meiste Potential aus Sicht der TK wenn es darum geht, die Gesundheitsversorgung für Ihre Versicherten stetig zu verbessern und kosten-effizienter zu gestalten?

Text-, Sprach- und Bilderkennung als Basistechnologien werden dabei helfen, dass aus unsortierten Puzzlestücken kundenorientierte und strukturiert nutzbare Informationen für die Patienten werden. Machine Learning-Ansätze zum Erlernen von Mustern werden zu besseren Empfehlungen für geeignete Therapien führen. Die Analyse großer Datenmengen erhöht die Chance auf eine passgenaue Behandlung von hoher Qualität. Die Möglichkeit der anonymen Datenspende für die wissenschaftliche medizinische Forschung und Versorgungsforschung wird der Diagnose und Therapie seltener Erkrankungen neue Impulse geben.

Lieber Herr Dr. Baas, vielen Dank für das Gespräch.